"Geschichten die das Leben schrieb."

Die Blumenkennerin

 

Schon lange fällig und auch unbedingt von mir gewollt, war wieder mal ein Blumenstrauß für die liebste Freundin aller Zeiten. Corona hatte es lange verhindert, weil ja die Blumenläden geschlossen hatten und ich neben einer guten Ausrede auch den Anspruch hatte, nicht unbedingt im Supermarkt Blumen zu kaufen.

Jetzt hatte ich aber die Gelegenheit und betrat voller Freude den Blumenladen. Ich sah mich zwischen den vielen bunt blühenden Blumen in Vasen und Töpfen um und wurde nach kurzer Zeit von einer Blumenfachfrau angesprochen. Freundlich fragte sie mich, ob sie behilflich sein könne und für wen ich denn Blumen kaufen wolle, was ich mir vorstelle und wie viel ich in den Strauß investieren würde. 

 

Ich zeigte Ihr ein Foto auf meinem Handy, das eine Grille auf einer Blüte zeigte. Solch schöne Gerbera hätte ich gerne. „Das sind Ringelblumen“, sagte sie. „Na ja dann halt Ringelblumen, und noch ein paar von den großartigen Gänseblümchen.“ „Sie meinen sicher die Margeriten, ja die sind sehr schön.“ ich stutzte und sagte:  “Ja dann eben Margeriten.“ Natürlich ärgerte ich mich wieder einmal keine blasse Ahnung zu haben, wovon ich sprach. Ich bin einer der größten „Naturellen Tiefflieger“ der Erdgeschichte und habe von Blumen so viel Ahnung wie eine Ringelnatter vom Stricken.

Geschlagen geben wollte ich mich aber dennoch nicht und steuerte eine Vase mit herrlich gelb blühenden Tulpen an. „Von diesen Tulpen geben sie auch noch zwei dazu“, sagte ich. „Wenn es sie nicht stört, dass es Narzissen sind, gebe ich gerne zwei dazu.“

 

 

 

Die Verkäuferin schmunzelte ständig und versteckte Ihr Lächeln hinter meiner Zusammenstellung falsch erkannter Schnittblumen. „Sonst noch was, vielleicht eine kleine Rote dazu, wegen der farblichen Komposition.“

Jetzt hatte ich sie und war mir sicher endlich eine fachliche Bestellung hinzukriegen. „Ja von den gelben Osterglocken noch 3 dazu.“ Ja gerne

wir sagen bei uns Freesien dazu, aber die Blumen wird das nicht stören und sie haben keinesfalls irgendeinen Verlust ihrer Schönheit deswegen.“ Nun gingen wir mit dem fachlich ausgesuchten Strauß zur Ladentheke damit er von der Fachfrau gebunden werden konnte. „Noch etwas Grün hinein?“ Fragte Sie. „Ja gerne von dem herrlichen Efeu,“ sagte ich und wartete bereits auf die lehrreiche Antwort meiner Floristin.

Sie lächelte mich an und meinte. „Es ist wunderbar glänzender Lederfarn.“

 

 

Ich bezahlte 15,90.-, nahm den Strauß entgegen und sagte „Ja, mit Tieren kenne ich mich besser aus.“ Sie wünschte mir noch einen schönen Tag und meinte mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht. „Die Grille auf Ihrem Handyfoto ist eine Libelle.“

 

 

 

Offenes Geheimnis

 

Na, was jetzt, offen oder geheim. Was für ein verrücktes Wort. Ein Paradoxon der deutschen Sprache. Manchmal lustig und ab und zu so gar nicht zum Lachen. „Offenes Geheimnis“ können wir das so stehen lassen? Wir sollten dafür vielleicht eine „Ausnahmeregel“ haben. Wie jetzt Regel oder Ausnahme. Vielleicht eine „Einzelfallregel“; was ja schon wieder so ein Oxymoron ist. Der Widerspruch in sich ist das Entstehen einer richtigen „Hassliebe“ zu solchen

Wörtern.

Mein Nachbar, wir bewohnen zusammen eine „Doppelhaushälfte“, ist bereits ein „Alter Knabe“, hat einen im Garten stehen.

Einen „riesengroßen Gartenzwerg“. Herr Schleeborn, so heißt er, ist schon 94 Jahre alt und sieht blass aus. Wie eine „Lebende Leiche“.  Er selbst sagt, er hatte einen Lebensmittelladen. Das war für ihn der „Himmel auf Erden“. Er arbeitete gern, liebte die Menschen und zählte sich selbst zum „Bürgeradel“. Herr Schleeborn hatte schon in den 80er Jahren angefangen „Soja-Frikadellen“ zu verkaufen. Viele seiner Kunden waren „eingefleischte Vegetarier“. In seinem Schaufenster stand ein „kleines Riesenrad“, das abends mit „Schwarzlicht“ angeleuchtet war.

Jedes Jahr zu Weihnachten ließ er eine „Holz Eisenbahn“ in die Auslage stellen. Er sagte, er hätte fast alle Menschen in der Siedlung zur Kundschaft gehabt und viel Geld verdient.

Als die ersten Supermärkte öffneten, ging ein „stummer Schrei“ durch ihn. Er konnte sich mit einem „Entschuldungskredit“ noch 3 Jahre halten.

Das nennt man „Minuswachstum“. Heute ist er ein „bankrotter Millionär“ und wünscht sich oft „zurück in die Zukunft“.  Er hatte das Ganze in einer „Selbsthilfegruppe“ verarbeiten können.

Ja, das ist die „Bittersüße“ Wahrheit.  „Schön schrecklich“ diese Geschichte.

Ich wünsche mir, dass Deutsch im Abi ein „Wahlpflichtfach“ wird.

 

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